Donnerstag abend war das kostenlose 'warm-up' Konzert des 8. Cape Town International Jazzfestival. Der ganze Greenmarket Square war voller Menschen und die Stimmung war wunderbar.
Am Freitag (meinem offiziell letzten Arbeitstag) war mal wieder meeting day, d.h. den ganzen Tag Besprechungen, die aber teils sehr interessant sind, da ueber die Wehwehchen der members gesprochen wird.
Abends dann endlich das Jazzfest. Nach eigeen Aussagen 'the grandest gathering in africa'. Karten fuer beide Tage hatte ich schon Wochen vorher gekauft. Nachfolgend nun ein paar Gedanken zu den Bands, die ich gehoert habe:
- Esther Miller feat. Jeremy Pelt (tp): Die angenehme Stimme und die scat Einlagen waren ueberzeugend; teils unglaubliche licks des Trompeters und ein wunderbarer Sound, wenn er mit dem Fluegelhorn gespielt hat; das Saxohon hatte leider keinen erkennbaren Aufbau in seinen soli und der Drummer hat die ganze Zeit vom Blatt gespielt, trotzdem ein schoener Einstieg.
- Joe Sample feat. Randy Crawford: die ersten drei Stuecke spielten sie im Trio, nice Jazz, dann kam Randy und das Publikum explodierte und sang bei einigen Stuecken mit, der erste Song: ' happiness is just a thing called joe' (wie wahr ;-) war mir jedoch allgmein zu poppig, bin nach dem dritten Stueck mit Randy gegangen.
- Closet Snare: schon die Besetzung der kapstaedter Band versprach vieles: drums, gitar/samples, machines/decks, tp/fluegelhorn, bass, visuals. Ich wuerde es als noisy-electronic-free-bass-jazz bezeichnen. Sehr geil.
- Yenya Khalil & his Egyptian Jazz Fusion: das Zusammenspiel der Percussionisten war spitze, Yenya hat aber mehr Show als alles andere gemacht, die Band ueberzeugte mehr als er.
- Average White Band: zwei Stuecke des Old-Men-Funk haben gereicht, ausserdem musste ich dringend zu:
- Nils Landgren & Funk Unit: endlich mal die wohl funkiest Band von Skandinavien. Ihre funky Interpretation von Abba kannte ich schon von ihrer CD, aber live war das nicht zu toppen. Nils drei minuetige scat Einlage wohl kaum zu ueberbieten. Das beste Funkonzert, das ich je gesehen habe.
Samstag:
- Standard Bank National Youth Jazz Band: besser als beim warm-up Konzert, der Xhosa-Gesang der albinoschwarzen Saengerin liess einen grossen Teil des Publikums mitsingen.
- Stimela: was eine Stimmung, die Menge tobte bei einer sehr unterhaltende Show des total breiten Frontmans, aber auch eher Pop als Jazz
- Tucan Tucan: mit Mosambikanerin, Norwegern und Argentieniern, portugisischen, englischen und anderssprachigen Texten die wohl internationalste Band. Schoener Latin mit schoenen Saengerinnen, guter Tenor- und Sopransaxophonist.
- Jack De Johnette & Sibongile Khumalo: das Konzert auf das ich am Samstag gewartet habe! Im folgenden die einzelnen Musiker:
*Sibongile Khumalo (vocals): noch nie eine so Stimme gehoert, ein unglaublicher Tonumfang, superschnelle Scats und soul pur.
*Jason Yarck (alto, tenorsax): eindeutig der beste Saxophonist den ich je gesehen habe, extreme Laeufe, Call&Respone mit den anderen und Tonhoehen bis zum Umfallen, seine Frisur - ein geflochten und gedrehter Haarkegel - rundeten das ganze ab. sowieso machen die Kapstaedter alles moegliche mit ihren Haaren,
*Jerome Harris (bass): ein akkustischer E-Bass, super sicher, egal was Jack an den drums auch gemacht hat, spitzen Solibegleitung und immer ein Laecheln auf den Lippen,
*Danilo Perez (piano): sehr guter Pianist, teils konnte man seine argentinischen Wurzeln raushoeren, sehr netter Effekt wenn er in den Fluegel zu seinen Soli sang.
*Bryon Wallen (trumpet/shell): wow, mehr nicht, ein Intro auf einer Muschel geblasen, das Muschelsolo (mit verschiedenen Groessen und Formen) ging leider im Auftritt des Praesidenten Sued Afrikas Thabo Mbeki zehn Meter neben mir am Buehnenrand total unter, Bryon blies sich die Seele aus dem Leib, aber ein grosser Pulk rennt zum Praesi um Fotos zu machen und ihn zu beruehren, ein riesen Aufruhr von dem Angela Merkel wohl nur traeumen kann,
*Jack DeJohnette: einfach nur sprachlos, eine hammer Begleitung bei den soli ganz zu schweigen von seinen eigenen, man bekam etwas Angst um seine Unterlippe, so angestrengt und konzentriet wie er bei den soli-Hoehepunkten darauf rumbiss.
Das letzte Stueck, ein afrikanisches, bei dem wieder mal (fast) alle mitsangen wurde nach dem Ende von einer kleinen Gruppe im Publikum aufgegriffen und weitergesungen und getanzt, staendig kamen mehr Leute und sangen und tanzten...
- Madala Kunene: natuerlich ein schweres Los nach DeJohnette, afrikanische Gitarrenmusik, ok, aber nicht mein Ding
- The Stoner: das schwedische Quartet spielte guten Jazz, der Schlagzeuger war ueberragend gut aber der Saxophonist konnte trotz seiner lustigen Ansagen nicht ueberzeugen,
- Carribean Jazz Project: ich hatte mir igrendwie etwas mehr erwartet, dennoch ein schoener Abschluss, laut Plan das letzte Konzert, doch wurde das von Hip Hop Pansula auf diese Buehne verlegt, da zu viele Leute die Nationalhelden sehen wollten.
- Hip Hop Pansula: einige nette Jazzeinfluesse, aber eben HipHop, die Menge ist komplett ausgerastet, was die Afrikaner (bei Konzerten zumindest) sowieso besser koennen....
So viel zu einem unvergesslichen Konzert Wochenende....
weltraumpapst - 1. Apr, 16:48